"Chef, Sie tun mir gut!"
- Was Wertschätzung mit Gesundheit zu tun hat

So weit würden Sie vielleicht nicht gehen: Ihrem Chef zu sagen, dass er Ihnen gut tut. Aber bestimmt kennen Sie die wohltuende Wirkung von Wertschätzung und haben Sie bereits am eigenen Leib erfahren. Das wünschen wir Ihnen zumindest ...

 

Gesundheitsfaktor Wertschätzung – für Körper und Psyche
Wertschätzung gilt – spätestens seit Professor Siegrists Veröffentlichung von 1996 – als Gesundheitsfaktor. Der Düsseldorfer Medizinsoziologe konnte zeigen, dass insbesondere das Herz-Kreislauf-System Schaden nimmt, wenn das Verhältnis von Verausgabungsbereitschaft und erhaltener Anerkennung nicht stimmt: Wenn Menschen den Eindruck haben, dass sie sich nach Kräften für ihr Unternehmen einsetzen, dass sie dafür aber nicht genug Anerkennung ernten – Aufstieg, Image, anerkennende Worte –, dann geraten sie in eine sogenannte Gratifikationskrise. Das relative Risiko eines Herzinfarkts wird dadurch beispielsweise deutlich erhöht.
Auch bei psychischen Erkrankungen scheint Wertschätzung eine wichtige Rolle zu spielen. Hawkins et al. (1999) konnten zeigen, dass Wertschätzung bei Männern geeignet ist, um Depressionen vorzubeugen. Bestätigung zum Beispiel in Form von anerkennenden Äußerungen stärkt die Psyche und schützt vor Hilflosigkeitsempfindungen. Ist das Klima offen und vertrauensvoll, so können Menschen entspannter arbeiten. Angstfreiheit ist eine wichtige Voraussetzung für gute Leistung. Wer sich wertgeschätzt fühlt, dessen Selbstwertgefühl ist stark, er ist wenig anfällig für Kränkungen, seelisch ausgeglichen, ent-stresst und eher gewappnet für den Umgang mit Belastungen. Sein Wohlbefinden wird gestärkt.

Fehlende Wertschätzung stresst
Die bayrische Gesundheitsstaatssekretärin Melanie Huml vertrat auf einer Fachtagung zum Thema „Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz" die Meinung: „Hohe Arbeitsbelastung ist nicht unbe-dingt das Stressende, sondern die fehlende Wertschätzung. Das Betriebsklima ist dabei entscheidend" (sueddeutsche.de am 14.10.2010 unter der Überschrift „Fehlende Wertschätzung"). Hintergrund dieser Aussage war die Beobachtung, dass Menschen ohne psychische Erkrankungen jährlich im Schnitt 17 Ausfalltage aufweisen, Menschen mit psychischen Erkrankungen hingegen 23. Das Klima entscheidet mit über die Frage, wie gern die Betroffenen wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren.
Dass Wertschätzung Menschen aufblühen lässt – in Bezug auf ihr Selbstwertgefühl genauso wie in Bezug auf ihr Leistungsniveau – belegen die neurobiologischen Studien von Bauer (2006): Wenn ein Mensch sich anerkannt fühlt, wird Dopamin freigesetzt, was seine Konzentrations- und Leistungsfähigkeit erhöht. Zudem werden Glückshormone (Endorphine) und das Vertrauens- oder Bindungshormon Oxytozin ausgeschüttet. Letzteres lässt den Blutdruck sinken und sorgt für ein Gefühl von Entspannung. Entgegen früheren Annahmen, findet sich das Hormon nicht nur bei Säuglingen und ihren stillenden Müttern, sondern auch bei Menschen, die sich am Arbeitsplatz wohl und gut aufgehoben fühlen.
Wertschätzung reduziert Ängste
Es gibt ein Gefühl von Bestätigung und Sicherheit, wenn die soziale Umgebung einem versichert, dass sie einen als Person und als Leistungserbringer schätzt. Das beruhigt und entspannt – letztlich auch auf der muskulären Ebene. Die Furcht vor Fehlern lässt nach, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wächst. Man wagt sich selbstbewusst auch an neue Herausforderungen heran und holt das Beste aus sich heraus – wie oben gesagt: Man blüht auf. Negativ ausgedrückt: In der Wertschätzungswüste wächst und gedeiht nichts: Der Mensch geht ein wie eine Primel ...

 Wertschätzungsdefizite

 Und umgekehrt gilt: Durch gegenseitige Wertschätzung können Kollegen einander gut tun. Es gibt mittlerweile unzählige Studien, die belegen, dass soziale Beziehungen wichtig sind für die Gesundheit. Sie wirken beispielsweise als Stresspuffer. Es tut gut zu wissen „ich bin nicht allein" oder „andere stehen mir zur Seite". Das gilt insbesondere für belastende Lebens- oder Arbeitssituatio-nen. Der Stress ist objektiv betrachtet der gleiche – aber er wird anders bewertet und nicht mehr als so schlimm empfunden. Im Notfall leistet das soziale Netz praktische Unterstützung, aber auch andere Varianten sozialer Unterstützung können gut tun.
So gibt es zum Beispiel die sogenannte „soziale Unterstützung bei der emotionalen Bewertung von Sachverhalten". Dazu zählen beispielsweise aufmunternde Sätze wie „das sind wirklich krasse Zeiten, die wir im Moment erleben" oder sogar Galgenhumor wie „so lange wir noch lachen können ...". Solche Aussagen signalisieren dem anderen, dass er nicht allein ist, sondern andere an seiner Seite „mit-leiden". Solange man nicht im kollektiven Jammertal versinkt, kann das gut tun zu merken: Den anderen geht's genauso, und wir gehen gemeinsam durch diese schwierige Zeit.
Die Grafik fasst das oben Gesagte noch einmal zusammen:

 Wertschätzung als Gesundheitsfaktor

TIPP FÜR SIE
Achten Sie mal darauf, wie Wertschätzung auf Sie wirkt – körperlich und psychisch. Und dann freuen Sie sich dran :)

Viel Wertschätzung und ein herzliches „do care!" wünschen Ihnen

Anne Katrin Matyssek und das gesamte BAAK-Team

Quelle:
Matyssek, Anne Katrin: Wertschätzung im Betrieb. Impulse für eine gesündere Unternehmenskultur.

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