Normen und Schutzklassen für Sicherheitsschuhe
Sicherheitsschuhe schützen vor Verletzungen am Arbeitsplatz. Welche Schutzfunktionen sie erfüllen, wird durch Normen, Schutzklassen und zusätzliche Kennzeichnungen festgelegt. Hier erfährst Du, was die Bezeichnungen bedeuten und worauf Du bei der Auswahl achten solltest.
Welche Norm gilt für Sicherheitsschuhe?
Sicherheitsschuhe werden nach der Normenreihe EN ISO 20345 geprüft. Sie legt die grundlegenden und zusätzlichen Anforderungen an Sicherheitsschuhe fest.
Die Bezeichnung unterscheidet sich je nach Normungsebene:
- ISO bezeichnet eine internationale Norm der International Organization for Standardization.
- EN ISO bezeichnet eine international erarbeitete ISO-Norm, die als europäische Norm übernommen wurde.
- DIN EN ISO bezeichnet die deutsche Übernahme dieser europäischen Norm.
Die Jahreszahl gibt die jeweilige Normausgabe an. Die aktuelle deutsche Ausgabe ist DIN EN ISO 20345:2024-06. Sie übernimmt die EN ISO 20345:2022 einschließlich der Änderung A1:2024.
Ältere Sicherheitsschuhe können noch nach früheren Ausgaben gekennzeichnet sein, beispielsweise nach DIN EN ISO 20345:2011. Da sich Anforderungen und Kennzeichnungen geändert haben, dürfen die Schutzklassen unterschiedlicher Normgenerationen nicht ungeprüft miteinander verglichen werden.
Was ist eine Schutzklasse?
Die Schutzklasse beschreibt eine festgelegte Kombination von Schutzanforderungen, die ein Sicherheitsschuh erfüllen muss.
Alle Sicherheitsschuhe nach EN ISO 20345 verfügen über eine Zehenschutzkappe, die einer Prüfenergie von 200 Joule standhält. Je nach Schutzklasse kommen weitere Eigenschaften hinzu, beispielsweise antistatische Eigenschaften, Schutz vor Wasser oder Durchtritthemmung.
Welche Schutzklasse geeignet ist, hängt von den Gefährdungen am jeweiligen Arbeitsplatz ab.

Schutzklassen: Grundanforderungen und Zusatzanforderungen
Grundanforderungen sind Merkmale, die eine Schutzklasse verbindlich erfüllen muss. Sie bestimmen den normativ festgelegten Schutzumfang des Schuhs.
Zusatzanforderungen sind zusätzliche Eigenschaften, die je nach Modell vorhanden sein können. Sie können den Schutz, den Komfort oder die Eignung für bestimmte Einsatzbereiche erweitern. Auch sie können normativ geprüft und durch eigene Kennzeichnungen ausgewiesen sein.
Gut zu wissen: Nicht jede Zusatzanforderung gehört automatisch zu einer Schutzklasse. Maßgeblich sind die Normausgabe und die Kennzeichnung des jeweiligen Schuhs.
Schutzklassen im Überblick
Die folgende Tabelle zeigt die Schutzklassen nach DIN EN ISO 20345:2024-06. Sie fasst die wesentlichen Anforderungen vereinfacht zusammen.Legende: ✓ = vorgeschrieben · – = nicht durch diese Schutzklasse vorgeschrieben
| Schutzklasse | Geschlossener Fersenbereich | Antistatik | Energieaufnahme Ferse | Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme (WPA) | Durchtritthemmung | Profilsohle | Wasserdichtheit (WR) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| SB | – | – | – | – | – | – | – |
| S1 | ✓ | ✓ | ✓ | – | – | – | – |
| S1P | ✓ | ✓ | ✓ | – | Metall (P) | – | – |
| S1PL | ✓ | ✓ | ✓ | – | Nichtmetall (PL) | – | – |
| S1PS | ✓ | ✓ | ✓ | – | Nichtmetall (PS) | – | – |
| S2 | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | – | – | – |
| S3 | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | Metall (P) | ✓ | – |
| S3L | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | Nichtmetall (PL) | ✓ | – |
| S3S | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | Nichtmetall (PS) | ✓ | – |
| S4 | ✓* | ✓ | ✓ | – | – | ✓* | – |
| S5 | ✓* | ✓ | ✓ | – | Metall (P) | ✓ | – |
| S5L | ✓* | ✓ | ✓ | – | Nichtmetall (PL) | ✓ | – |
| S5S | ✓* | ✓ | ✓ | – | Nichtmetall (PS) | ✓ | – |
| S6 | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | – | – | ✓ |
| S7 | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | Metall (P) | ✓ | ✓ |
| S7L | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | Nichtmetall (PL) | ✓ | ✓ |
| S7S | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | Nichtmetall (PS) | ✓ | ✓ |
*siehe nachstehende Erläuterungen zu S4 und S5
Hinweis: Die Tabelle ist eine vereinfachte redaktionelle Übersicht. Die Tabelle ersetzt nicht die vollständigen normativen Anforderungen.
Was bedeuten die Unterschiede?
- S1: Grundschutz mit geschlossenem Fersenbereich, antistatischen Eigenschaften und Energieaufnahme im Fersenbereich.
- S1P, S1PL und S1PS: Wie S1, zusätzlich mit Durchtritthemmung.
- S2: Wie S1, zusätzlich mit Anforderungen an den Wasserdurchtritt und die Wasseraufnahme des Obermaterials.
- S3, S3L und S3S: Wie S2, zusätzlich mit Durchtritthemmung und profilierter Laufsohle.
- S4 und S5: Sicherheitsschuhe der Klasse II aus Gummi oder polymeren Materialien. S5 ergänzt den Durchtritthemmung und die profilierte Laufsohle.
- S6: Sicherheitsschuh der Klasse I mit den Anforderungen von S2 und zusätzlicher Wasserdichtheit des gesamten Schuhs.
- S7, S7L und S7S: Wie S3, S3L beziehungsweise S3S, zusätzlich mit Wasserdichtheit des gesamten Schuhs.



Zusatzkennzeichnungen einfach erklärt
Neben der Schutzklasse geben weitere Kennzeichnungen Aufschluss darüber, welche Zusatzanforderungen ein Sicherheitsschuh erfüllt.| Kennzeichnung | Bedeutung |
|---|---|
| A | Antistatik |
| AN | Knöchelschutz |
| C | Leitfähigkeit |
| CI | Kälteisolierung des Sohlenkomplexes |
| CR | Schnittschutz |
| E | Energieaufnahme im Fersenbereich |
| FO | Beständigkeit der Laufsohle gegen Kraftstoff |
| HI | Wärmeisolierung des Sohlenkomplexes |
| HRO | Hitzebeständigkeit der Laufsohle bei Kontaktwärme |
| LG | Eignung für den Halt auf Leitern |
| M | Mittelfußschutz |
| P | Metallische Durchtritthemmung |
| PL | Nichtmetallische Durchtritthemmung, geprüft mit einem 4,5-mm-Prüfnagel |
| PS | Nichtmetallische Durchtritthemmung, geprüft mit einem 3,0-mm-Prüfnagel |
| SC | Abriebfestigkeit einer Überkappe |
| SR | Zusätzliche Rutschhemmungsprüfung |
| WPA | Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme |
| WR | Wasserbeständigkeit des gesamten Schuhs |
Nicht alle Zusatzkennzeichnungen sind für jede Schutzklasse verfügbar oder sinnvoll. Entscheidend ist, welche Gefährdungen am Arbeitsplatz tatsächlich auftreten.
Welcher Sicherheitsschuh ist der Richtige?
Die passende Schutzklasse richtet sich nach der Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes. Neben der Schutzklasse spielen beispielsweise Rutschgefahr, Feuchtigkeit, scharfkantige Gegenstände, Temperaturen und ergonomische Anforderungen eine Rolle.
Unser Tipp: Achte beim Kauf auf die vollständige Kennzeichnung des Schuhs und wähle den Schutzumfang passend zu deinem Einsatzbereich. Bei Unsicherheiten hilft die Fachkraft für Arbeitssicherheit oder der zuständige Arbeitgeber weiter.
